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Leinenaggression? SAVE-Training!


Pixabay License: skeeze


Leinenaggression ist eines der häufigsten Problemverhalten bei Hunden. Der Begriff Leinenaggression bezeichnet Hunde, die an der Leine beim Anblick anderer Hunde mehr oder weniger ausrasten, d.h. knurren, bellen und in die Leine springen. Diese Hunde werden daher auch Leinenrambos oder Leinenpöbler genannt.

URSACHEN FÜR LEINENAGGRESSION


Die Ursachen für eine Leinenaggression können (wie bei jedem Problemverhalten) sehr vielfältig sein. Daher ist eine Anamnese und eine persönliche Beratung von einem/r guten Hundetrainer/in in jedem Fall essentiell. Die häufigsten Ursachen bei Leinenrambos sind:


  1. Unsicherheit

  2. Angst

  3. Frust

  4. Unerzogenheit

  5. Gesundheitsprobleme

  6. Hormone

  7. Jagdverhalten

  8. Spielaggression

So (und noch schlimmer) reagieren "leinenaggressive Hunde" beim Anblick anderer Hunde

UMGANG MIT LEINENAGGRESSION

Wie bei jedem Problemverhalten gibt es verschiedene Wege, damit umzugehen. Grundsätzlich gibt es sechs verschiedene Möglichkeiten beim Umgang mit Leinenaggression:


1. Das unerwünschte Verhalten bestrafen

Vorteil: Es funktioniert scheinbar schnell.

Nachteil: Einem Hund Schaden bzw. Schmerzen zuzufügen, obwohl es gewaltfreie Alternativen zur Verhaltenstherapie gibt, ist tierschutzrelevant und ich bin ohnehin eine Verfechterin von gewaltfreiem Hundetraining. Darüber hinaus macht der Einsatz von positiver Strafe eine tickende Zeitbombe aus einem Hund.

[if !supportLists]2. Das erwünschte Verhalten belohnen

Vorteil: Positive Verstärkung ist großartig und auch bei Leinenaggression eine gute Idee – theoretisch.

Nachteil: In der Praxis möchten die Hunde bei Hundebegegnungen weder spielen noch fressen, was es erschwert, sie dahingehend zu belohnen.

3. Ablenken

Vorteil: Es funktioniert – scheinbar.

Nachteil: Das unerwünschte Verhalten wird verstärkt und schnell wird das Problemverhalten absichtlich gezeigt, weil es (unabsichtlich) mit Futter belohnt wurde.

[if !supportLists]4. Click für Blick

Vorteil: Die Stimmung kann verändert werden.

Nachteil: Wenn der Hund einen anderen Hund sieht, beginnt er auch zeitnah zu fixieren, was dann wiederum mitbelohnt wird, d.h. auch hier wird das unerwünschte Verhalten verstärkt.

[if !supportLists]5. Abbruchsignal

Vorteil: An sich eine gute Idee, aber…

Nachteil: …das Abbruchsignal wird meist nicht ausreichend trainiert oder das unerwünschte Verhalten wird verstärkt (wie eben beschrieben).

[if !supportLists]6. Systematische Desensibilisierung / Gegenkonditionierung

Vorteil: Es wirkt zuverlässig.

Nachteil: Es muss konsequent trainiert werden und dauert lange.

... und dann gibt es das SAVE-TRAINING VON VIVIANE THEBY.

Speziell für leinenaggressive Hunde entwickelte die Hundetrainerin Viviane Theby das SAVE-Training. SAVE steht für sozial akzeptables Verhalten in Extremsituationen. Seit vielen Jahren setzt sie diesen Trainingsansatz erfolgreich bei sogenannten Leinenpöblern ein - ohne Druck, ohne Gewalt, und mit schnellen und effektiven Ergebnissen.


Im SAVE-Training erlernt der Hund eine Strategie, wie er in stressigen Situationen mit einem ‚akzeptablen‘ Verhalten reagieren kann. Er findet mit unserer Hilfe seine eigene Lösung - und wir trainieren dieses Alternativverhalten für zukünftige Stresssituationen.

Ich hatte das Glück, Viviane Thebys SAVE-Training zusammen mit ihr 'in Action' zu erleben. Eine Berger de Picardie Hündin sprang bei jedem entgegenkommenden Hund in die Leine. So kam die Halterin zu Viviane Theby und Michaela Hares auf den Scheuerhof und wir trainierten zusammen das SAVE-Training.

SAVE-Training mit einer Kundenhündin - zusammen mit Viviane Theby und Michaela Hares

SAVE-TRAININGSPLAN

  1. Man wählt einen Abstand, der für den Hund noch erträglich ist.

  2. In dem Moment, wenn der Hund den anderen Hund (das ‚Monster‘) sieht und erkennt, bleibt man stehen (bereits beim allerersten Anzeichen - der Hund muss noch ansprechbar sein!).

  3. Man wartet ein 'akzeptables' Verhalten ab (alles außer das Nach-vorne-gehen), z.B. weggucken, schnüffeln, Halter/in angucken, hinsetzen etc.).

  4. Man gibt ein Markersignal (nicht das übliche Markerwort bzw. den Clicker, sondern ein neues ‚SAVE-Markersignal‘, z.B. Save - was später dann Signal und Marker zugleich sein wird).

  5. Man entfernt den Hund aus der Situation (anstelle von Futter ist die Distanzvergrößerung hier der Verstärker).

  6. Der Abstand wird allmählich verringert, man nähert sich dem Hund immer weiter an (viele, viele Wiederholungen).

  7. Man trainiert an verschiedenen Orten.

  8. Man trainiert mit verschiedenen Hunden.

Freiwilliges Umorientieren zur Halterin - anstatt in die Leine zu springen und zu 'pöbeln'


Bereits nach wenigen Durchgängen drehte die Hündin Bylla bei Hundebegegnungen ihren Kopf in Richtung Frauchen - anstatt wie zuvor in die Leine zu springen und zu bellen. Die Distanzvergrößerung nahm ihr sichtlich den Stress und sie begann schnell, ihr Frauchen anzusehen, sobald sie einen anderen Hund erblickte. Sodann trainierten wir an verschiedenen Orten und mit vielen, verschiedenen Hunden, um Bylla zu zeigen, dass sie bei keinem Hund und an keinem Ort zu einem Leinenrambo werden muss, sondern sich entspannt zu Frauchen umsehen kann und sich der Abstand zu den Hunden vergrößert - ohne dass sie diese durch Springen, Bellen oder Knurren aktiv vertreiben muss.

FAZIT

Leinenaggression ist schnell und effektiv trainierbar. Mithilfe des SAVE-Trainings nach Viviane Theby lernt ein Hund, aggressionsfrei an anderen Hunden vorbeizulaufen - ohne den Einsatz von Druck oder Gewalt. Wichtig ist, dass man sofort stehenbleibt, sobald der sogenannte Leinenpöbler einen anderen Hund sieht und rechtzeitig ein Alternativverhalten mit ihm zusammen trainiert. Mit dem SAVE-Trainingsansatz wird die Leinenaggression in kurzer Zeit der Vergangenheit angehören.

DANKE


Danke an Bylla und ihre Halterin, dass ich euch beim Training filmen durfte und nun auch einzelne Sequenzen zeigen darf. Es war schön, euch zusammen beim Training zu sehen. Ihr habt toll zusammengearbeitet und man konnte deutlich sehen, wie schnell und effektiv das SAVE-Training ist. Hoffentlich erleben noch viele Hunde nach Bylla das SAVE-Training (anstelle von aversiven Mitteln wie den beliebten Wasserflaschen oder Sprühhalsbändern).