Amazon.de Widgets

Kleine Rassenkunde

Als Mischlings-Fan habe ich mir nie groß Gedanken über Hunderassen und Zuchtrichtlinien gemacht. Als angehende Hundetrainerin sollte ich jedoch einen Überblick über Rassen im Allgemeinen haben, daher ist das aktuelle Thema meiner Trainerausbildung Hunderassen. Im Folgenden möchte ich euch eine Kurzfassung der Rassenkunde geben, denn wie wir alle wissen:

Hund ist nicht gleich Hund.

Wix License

FCI


FCI steht für Fédération Cynologique Internationale und bezeichnet den Dachverband der Kynologie, kurzum, die Weltorganisation der Rassehundezucht.¹ Die FCI fasst Hunde aller Welt zusammen und kategorisiert diese. Zurzeit gibt es über 300 verschiedene, von der FCI anerkannte Hunderassen – und unzählige mehr, die vorläufig anerkannt sind, d.h. noch auf ihre endgültige Anerkennung warten.


FCI-Kategorisierung der Hunderassen

Die FCI teilt Hunderassen in zehn Gruppen ein:

Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)²

Sektion 1: Schäferhunde

Sektion 2: Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)

Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde³

Sektion 1: Pinscher und Schnauzer

Sektion 2: Molossoide

Sektion 3: Schweizer Sennenhunde

Gruppe 3: Terrier

Sektion 1: Hochläufige Terrier

Sektion 2: Niederläufige Terrier

Sektion 3: Bullartige Terrier

Sektion 4: Zwerg-Terrier

Gruppe 4: Dachshunde

Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp

Sektion 1: Nordische Schlittenhunde

Sektion 2: Nordische Jagdhunde

Sektion 3: Nordische Wach- und Hütehunde

Sektion 4: Europäische Spitze

Sektion 5: Asiatische Spitze und verwandte Rassen

Sektion 6: Urtyp

Sektion 7: Urtyp – Hunde zur jagdlichen Verwendung

Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen

Sektion 1: Laufhunde

Sektion 2: Schweißhunde

Sektion 3: Verwandte Rassen

Gruppe 7: Vorstehhunde

Sektion 1: Kontinentale Vorstehhunde

Sektion 2: Britische und Irische Vorstehhunde

Gruppe 8: Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde

Sektion 1: Apportierhunde

Sektion 2: Stöberhunde

Sektion 3: Wasserhunde

Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde¹º

Sektion 1: Bichons und verwandte Rassen

Sektion 2: Pudel

Sektion 3: Kleine belgische Hunderassen

Sektion 4: Haarlose Hunde

Sektion 5: Tibetanische Hunderassen

Sektion 6: Chihuahueno

Sektion 7: Englische Gesellschaftsspaniel

Sektion 8: Japanische Spaniel und Pekingesen

Sektion 9: Kontinentaler Zwergspaniel und Russkiy Toy

Sektion 10: Kromfohrländer

Sektion 11: Kleine doggenartige Hunde

Gruppe 10: Windhunde¹¹

Sektion 1: Langhaarige und befiederte Windhunde

Sektion 2: Rauhaarige Windhunde

Sektion 3: Kurzhaarige Windhunde


Diese Einteilung der FCI ist jedoch, wenn man genauer hinsieht, mehr oder weniger willkürlich. Teilweise werden Rassen zusammengefasst, die nichts miteinander zu tun haben – weder von der Zuchtgeschichte, noch vom Genotyp oder ihrer Einsatzart her. Rein theoretisch könnte man Hunde beliebig anderweitig einteilen, beispielsweise nach ihrem Verwendungszweck, nach ihrer Größe, nach der Fellbeschaffenheit usw.

Wix License

Alle 344 Hunderassen aufzuzählen würde diesen Blogeintrag leicht sprengen;

wer sich die einzelnen Rassen ansehen möchte findet hier die Rassennomenklatur der FCI.


Rassenunterschiede

Die einzelnen Hunderassen unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander. Man unterscheidet zum einen zwischen dem Erscheinungsbild (Phänotyp) und zum anderen zwischen den genetischen Grundlagen (Genotyp). Vereinfacht gesagt, Hunde unterscheiden sich in ihrer Optik und ihrem Verhalten.


Die Entwicklung von Verhalten beruht auf Umwelteinflüssen und der genetischen Codierung. Zu den Umwelteinflüssen gehören die Aufzucht, die Haltung, den Umgang mit dem Tier, grundsätzliche Lebenserfahrungen sowie Erlerntes. Die genetische Codierung bezieht sich auf vier Eigenschaften: den Körperbau, die Gesundheit, das Temperament und den Charakter. Die genetische Codierung hängt stark davon ab, wofür die jeweilige Rasse primär gezüchtet wurde. Je mehr sich die ursprünglichen und die derzeitigen Einsatzgebiete unterscheiden, desto mehr unterscheiden sich die jeweiligen Hunderassen in ihrem Phänotyp.


Hunde derselben Rasse können wiederum erneut unterteilt werden - und zwar in Showlinie (Ausstellungstypus) und Arbeitslinie (Leistungstypus). Diese Linien unterscheiden sich nicht nur vom Phänotyp, sondern auch vom Verhalten. Ein typisches Beispiel für die Differenzierung zwischen Leistungslinie und Ausstellungstyp ist die Zuchtentwicklung des Deutschen Schäferhundes:



Leistungstypus:

Pixabay License: JasminWakner

Ausstellungstypus:

Pixabay License: Hans_Kemperman

Die rein äußerlichen Abweichungen dieser beiden Schäferhunde sind eindeutig. Tatsächlich werden heutzutage viele Hunde nicht mehr nach ihrem ursprünglichen Zucht- bzw. Leistungsziel gehalten und leben vielmehr als 'hübsche' Familienbegleithunde, ohne ihre genetisch veranlagten Verhalten auszuleben. Dies trifft nicht auf alle Hunde zu, doch gehe ich hierauf an dieser Stelle besser nicht weiter ein, da dieses Thema oft in große Diskussionen resultiert und ich keine Rassen oder HalterInnen ebendieser vermeintlich angreifen möchte.



Rasseeigenschaften


In den Zucht- bzw. Rassestandards werden die Verhaltenseigenschaften einer Rasse definiert. Für die sogenannten Wesensmerkmale spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle:


  • der ursprüngliche Verwendungszweck der jeweiligen Rasse

  • die gewünschten Eigenschaften der angestrebten ‚Spezialisierung‘

  • die Höhe des Erblichkeitsfaktors der jeweiligen Eigenschaften


Wix License

Wesensmerkmale durch genetische Codierung können sein:

  • Jagdverhalten

  • Territorialität

  • Aktivität, Reaktivität, Erregungslagen

  • Bellfreudigkeit

  • Selbständigkeit / Führungswilligkeit

  • Kooperationsbereitschaft mit Menschen

  • Aufgeschlossenheit gegenüber Menschen

  • Körperliche Empfindlichkeit

  • Ängstlichkeit

  • Aggression

  • Kinderfreundlichkeit

  • Misstrauen gegenüber Fremden

  • Erziehbarkeit



Rassetypisches Verhalten wie Hüten, Jagen oder Apportieren zeigt sich bereits im Welpenalter; es wird nicht erlernt. Bis zu einem gewissen Grad können wir also die Veranlagung eines Rassehundes abschätzen.

Natürlich spielen auch im Alltag erlernte Eigenschaften wie auch das Verhalten der Mutterhündin (das ‚Vorbild‘ der Welpen) eine entscheidende Rolle für die Entwicklung bzw. der Verhaltensentwicklung eines Hundes.



Was ist Bonnie für eine Rasse?


Die Frage wird mir genauso oft gestellt wie die Frage, wie „er“ doch heißen würde (Bonnie trägt pink). Dass sie eine Mischlingshündin ist, war von vornherein klar, doch ich war neugierig, welche Rassen denn bei ihr 'mitgemischt' haben. Ich vermutete Border Collie und Pointer mit ein bisschen Pitbull (ihre Ohren!). Ohne dass ich Bilder oder Informationen über Bonnie übergab, ließ ich letztes Jahr einen DNA-Test machen und erhielt folgendes Ergebnis:


Verlässt man sich auf den DNA-Test (das ist ja auch eine umstrittene Angelegenheit, auf die ich hier nicht eingehen möchte) ist die am stärksten ausgeprägte bzw. nachweisliche Rasse in Bonnie Deutsche Dogge. Ich habe also eine Art Mini-Doggen-Mix. Mit einer Schulterhöhe von 50 cm, einem Gewicht von knapp 15 kg und den (glücklicherweise) nicht vorhanden Sabberfäden ist sie jedoch weit von einer tatsächlichen Dogge entfernt. Sie ist vielmehr eine Mischung aus Angsthase und Prinzessin.


Wenn ich ehrlich bin, sind mir Rassestandards, vor allem die FCI, ziemlich egal. Natürlich gibt es viele charakterlich-tolle und optisch-wunderschöne Rassen (meine Top 3 sind übrigens - wer hätte das gedacht - Border Collie, American Pit Bull Terrier und Staffordshire Bullterrier). Da draußen wird allerdings viel Unfug zuungunsten einiger Rassehunde und ihrer Gesundheit getrieben. Angefangen von den teilweise ‚schiefen‘ Schäferhunden über 'Plattnasen' mit zu schmalen Luftröhren bis hin zu den sogenannten Wühltischwelpen... Bitte kein Shitstorm - ich sage nicht, dass jede Rasse eine Qualzucht darstellt. Nicht jeder Deutsche Schäferhund hat eine abfallende Rückenlinie; nicht jede französische Bulldogge hat Atemprobleme. Natürlich gibt es auch seriöse, gute Hundezüchter mit vollkommen gesunden Hunden, keine Frage. Doch solange die Nachfrage nach 'perfekt gezüchteten Hunden' so groß ist, werden immer mehr Hunde gezüchtet, während die Straßen, Tierheime und Tötungsstationen weltweit überfüllt sind. Dort gibt es übrigens auch jede Menge reinrassige Hunde, nur eben ohne Stammbaum.


Ich verurteile wirklich keine HalterInnen von Zuchthunden, bitte versteht den vorherigen Absatz nicht falsch. Ich bekenne mich nur als Verfechterin des Tierschutzes und hoffe einfach nur, dass möglichst viele ausgesetzte Hunde (und davon gibt es unzählige!) ein Zuhause finden und ihnen eine zweite Chance gegeben wird, anstatt dass man sich einen Hund mit einer beeindruckenden Ahnentafel ins Haus holt und somit die Nachfrage fördert.


♡ Rescued is my favorite breed ♡



Elektronische Quellen:


FCI:

¹ http://www.fci.be/de/Prasentation-unserer-Organisation-4.html

² http://www.fci.be/de/nomenclature/1-Hutehunde-und-Treibhunde-ausgenommen-Schweizer-Sennenhunde.html

³ http://www.fci.be/de/nomenclature/2-Pinscher-und-Schnauzer-Molosser-Schweizer-Sennenhunde.html

⁴ http://www.fci.be/de/nomenclature/3-Terrier.html

⁵ http://www.fci.be/de/nomenclature/4-Dachshunde.html

⁶ http://www.fci.be/de/nomenclature/5-Spitze-und-Hunde-vom-Urtyp.html

⁷ http://www.fci.be/de/nomenclature/6-Laufhunde-Schweisshunde-und-verwandte-Rassen.html

⁸ http://www.fci.be/de/nomenclature/7-Vorstehhunde.html

⁹ http://www.fci.be/de/nomenclature/8-Apportierhunde-Stoberhunde-Wasserhunde.html

¹º http://www.fci.be/de/nomenclature/9-Gesellschafts-und-Begleithunde.html

¹¹ http://www.fci.be/de/nomenclature/10-Windhunde.html