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Angst beim Hund ignorieren?

Eine weit verbreitete Meinung in der Hundeerziehung ist es, die Angst eines Hundes zu ignorieren bzw. ihn für seine Angst zu bestrafen, weil man die Angst sonst verstärken würde.

– Das stimmt nicht!


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Wenn wir unseren Hund in seiner Angst ignorieren und weiter Richtung Angstreiz zwingen, fühlt sich dieser hilflos und vor allem auch von uns, seiner Bezugsperson, missverstanden. Er kommuniziert uns, dass er sich nicht wohlfühlt, Angst vor etwas hat, wird aber ignoriert und zum angsteinflößenden Reiz gezwungen.

Wie oft wurde ich anfangs auf der Straße angesprochen, ich solle meinen ängstlichen Hund nicht beachten, weil ich die Angst so nur verstärken würde? Nachdem ich das fast täglich von verschiedenen Leuten gehört habe, machte ich mir Gedanken, ob da nicht vielleicht etwas dran sein könnte. Ich holte mir eine Hundetrainerin ins Haus und auch sie sagte:

"Tröste niemals deinen Hund. Wenn er Angst hat, ignorier ihn, sonst verstärkst du die Angst."

Als Ersthundebesitzerin verlässt man sich auf die Aussagen von anerkannten Hundetrainern und setzt die Methoden in die Realität um. Schließlich wissen 'Profis' es besser. Das erste Jahr habe ich also meine Hündin in Angstsituationen nicht beachtet und sie weiter zu den angsteinflößenden Reizen gezogen, damit sie es "lernt". Das Resultat: die Angst wurde nicht weniger und - noch schlimmer - sie konnte mir nicht vertrauen. Hunde sind Lebewesen und brauchen unsere positive emotionale Zuwendung!

Das Gefühl Angst kann man nicht verstärken.

In den 1930er und 1940er Jahren wurde die Theorie verbreitet, dass Eltern ihre Kinder nicht trösten und beispielsweise auf den Arm nehmen sollen, da dies ihre Angst bestätigen würde. Dies bezog sich allerdings auf Menschenpsychologie und wurde bereits in den 1960er Jahren widerlegt. Psychologen wie Harry Harlow bewiesen, dass Zuwendung unerlässlich und durchaus wichtig für die Beziehung zwischen Kind und Eltern ist (Wibke Hagemann/Birgit Laser, 2013).

Das Verhalten, das aus der Angst resultiert, DAS kann man verstärken.

Nur wenn dauerhaft das ängstliche Verhalten eines Hundes verstärkt wird, dann wird entsprechend auch die Emotion Angst verstärkt. Statt also die Angst seines Hundes zu ignorieren, sollte man diese wahrnehmen, ggf. Schutz bieten (je nach Situation), aber in jedem Falle Souveränität ausstrahlen.

Ich bin mir sicher, dass wir heute weiter in unserem Training sein könnten, hätte ich das damals gewusst...

Leider ist der Mythos, einen Hund in seiner Angst alleine zu lassen, noch immer weit verbreitet und auch heute noch werden einigen Hundehaltern gesagt, sie müssten ihren ängstlichen Hund ignorieren oder womöglich für seine Angst strafen.

Nadine Bihn (Chico rockt!) hat hierzu ein passendes Beispiel:

"Würde ich mit meinem Freund durch einen dunklen Wald laufen und hätte Angst, aber er würde einfach neben mir herlaufen und so tun, als wäre nichts, dann fände ich das ziemlich doof. Würde er aber meine Hand halten oder mich umarmen, käme ich mit der Situation viel besser klar. Genauso ist es bei Hunden" (Pfötchen regional, Februar 2017).


Wenn dein Hund Angst hat und dir dies mit seiner Körpersprache kommuniziert, dann bitte ignoriere ihn nicht, sondern sei für ihn da und bringe ihn bestmöglich von dem Angstauslöser weg. Nur wenn dein Hund lernt, dir zu vertrauen, könnt ihr gemeinsam an der Angst trainieren.

#Angst